Kaleidoskop / Kärntner Abwehrkampf 1918 - 1920

Gedenktafel am Corpshaus im Eingangsbereich
Gedenktafel am Corpshaus im Eingangsbereich

Auszug aus Corpsgeschichte 1881 - 1981 (EM Pelzel)

 

Noch war kein Friedensvertrag mit Österreich geschlossen, und so glaubten slowenische Horden noch Stücke des klein gewordenen Österreichs abtrennen zu können und bedrängten den Süden und Osten Kärntens, wo eine Volksabstimmung vorgesehen war.

Der österreichische General Hülgerth war Kommandant der sehr schwachen Volkswehr. Mit ihm standen schon im Jahre 1918 Hans Czech und Rudi Wacha als Leobener Stationsoffiziere in Verbindung. Nach einer von Hans Czech einberufenen Vertreterbesprechung der Korporationen wurde eine Hörervollversammlung einberufen und die Aufstellung eines Studentenbataillons beschlossen.

 

Eine von Czech geführte Gruppe organisierte in Graz für etwa 300 Mann Uniformen und Waffen. Nach der Anlieferung war die Einkleidung innerhalb von 24 Stunden vollzogen, das Bataillon bewaffnet und mit Munition versehen. Bataillonskommandant wurde unser Hans Böhm. Unter dem Jubel der Bevölkerung zogen sie mit Blumen geschmückt, die Burschenbänder um die Brust, zur Fahrt nach Klagenfurt aus. Von dort ging es an die besonders bedrohte Süd-Ost-Front Kärntens und der Südsteiermark. Überall wurden die Jugoslawen zurückgedrängt, das kriegserfahrene Bataillon war den schlecht organisierten Gegnern stets überlegen. Spielfeld und Marburg waren in Sicht - die Bürger von Marburg hißten schon Fahnen - da kam der Befehl zum Rückzug.

 

Die marxistische Wehrmacht in Wien hatte den Rektor der Montanistischen Hochschule ultimativ aufgefordert, das Bataillon sofort aufzulösen, widrigenfalls die Volkswehr dagegen vorgehen werde. Die Verhandlungen mit General Hülgerth führten Wacha, Czech und Böhm. Das Bataillon wurde aus der Südsteiermark zurückgezogen, aber Kärnten war feindfrei. Sicherheitshalber wurde noch der Karwankentunnel gesprengt. Die Aktion dauerte vom 6. bis 16. Mai 1919, bei den Kämpfen fiel als einziger Großmann (Burschenschaft Leder).

 

Die Teilnehmer an dieser Aktion erhielten ein Jahr später am 5. Mai 1920, das "Kärntnerkreuz für Tapferkeit", verliehen.

 

Eine, von unserem AH Scheichbrein anläßlich der 60-sten Wiederkehr des Tages der Kärntner Volksabstimmung dedizierte Marmortafel, die auf unserem Corpshaus an der Wand im Aufgang hängt, erinnert an den heldenhaften Einsatz der Leobener Studenten im Kampf um Südkärnten.

Die Abstimmungszonen A und B mit den Bedingungen für das Stimmrecht
Die Abstimmungszonen A und B mit den Bedingungen für das Stimmrecht

Der Kärntner Abwehrkampf war nach Ende des Ersten Weltkriegs die bewaffnete Auseinandersetzung von Verbänden der provisorischen Kärntner Landesregierung mit Truppen des SHS-Staates über die staatliche Zugehörigkeit der durch den SHS-Staat beanspruchten Gebiete im Südosten Kärntens, deren Bevölkerung zum großen Teil slowenisch sprach.

 

Nachdem Kärnten durch die Kärntner Landesverfassung von 1918 den Beitritt zur Republik Deutschösterreich erklärt hatte, drangen am 5. November 1918 Truppen des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat) in Südostkärnten ein. Die SHS-Polizei rückte in das Rosen- und untere Gailtal vor. Ferlach und das nördlich der Drau gelegene Völkermarkt wurden besetzt. Die Kärntner Landesregierung verlegte ihren Sitz angesichts dieser Bedrohung nach Spittal an der Drau.

 

Am 5. Dezember 1918 beschloss die provisorische Kärntner Landesregierung unter dem Landesverweser Arthur Lemisch den bewaffneten Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der SHS-Truppen. Die österreichische Regierung lehnte den Abwehrkampf offiziell ab - das hungernde Land war auf Lebensmittellieferungen aus dem SHS-Staat angewiesen - unterstützte ihn jedoch u.a. durch Material- und Truppensendungen[1]. Die Leitung übernahmen Oberstleutnant Ludwig Hülgerth als Landesbefehlshaber und Oberleutnant Hans Steinacher als Truppenführer. Der Befreiungskampf, auch als Kärntner Abwehrkampf bezeichnet, begann im Gailtal mit der Rückeroberung von Arnoldstein am 5. Jänner 1919, einem Vormarsch gegen das Rosental und der Rückeroberung von Ferlach. Am 14. Jänner wurde ein Waffenstillstand geschlossen; eine amerikanische Kommission (die sogenannte "Miles-Mission", benannt nach ihrem Leiter Lt. Col. Sherman Miles) studierte vor Ort die strittigen Gebietsfragen. Am 29. April brachen die Jugoslawen den Waffenstillstand, konnten aber keine Gebietsgewinne erzielen. Bis zum 7. Mai 1919 waren alle bis auf die laut Waffenstillstandsvertrag geräumten Gebiete von Kärntner Truppen besetzt.
 
Die Abstimmungszonen A und B mit den Bedingungen für das StimmrechtDer Friedensvertrag von St. Germain sah eine Volksabstimmung in Südkärnten vor; ohne Abstimmung wurden das Kanaltal Italien und das Mießtal, Unterdrauburg und die Gemeinde Seeland (Kankertal) dem SHS-Königreich zugeschlagen. Sie gehören heute zu Slowenien. Nach dem Beschluss einer Volksabstimmung versuchte der SHS-Staat erneut, durch Waffengewalt vollendete Tatsachen zu schaffen. Reguläre Truppen unter dem Befehl von General Rudolf Maister überschritten am 28. Mai 1919 die Grenze und besetzten am 6. Juni Klagenfurt, das sie aber nach Aufforderung des Obersten Rats der Alliierten in Paris wieder räumen mussten. Von da an unterblieben weitere Kämpfe. Insgesamt hatte es bis zu diesem Zeitpunkt allein auf Seite der Kärntner bei den Kämpfen mehr als 200 Tote und 800 Verwundete gegeben.

 

In der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 stimmten in der südlichen "Zone A" (mit rund 70% slowenischem Bevölkerungsanteil, und von Truppen des SHS-Staates besetzt) 22.025 Stimmen (59 %) für den Verbleib bei Österreich, 15.279 (41 %) Stimmen gegen Österreich. D.h., fast jeder zweite Kärntner mit slowenischer Muttersprache votierte für den Verbleib bei Kärnten wenn man annimmt, dass alle deutschsprachigen Bewohner des Abstimmungsgebietes für den Verbleib bei Österreich stimmten. Hätte sich "Zone A" für einen Anschluss an das SHS-Reich entschieden, hätte ebenfalls in der kleineren nördlichen, von österreichischen Truppen besetzten "Zone B" (die auch Klagenfurt beinhaltete) abgestimmt werden müssen.

 

In der Zeit danach wurde der Abwehrkampf vielfach kontroversiell diskutiert bzw. durch die Politik instrumentalisiert. Es kam zu Vereinfachungen und Verzerrungen, die auch durch die sich etablierende Festtagskultur zum 10. Oktober gefördert wurden[1].

 

(Quelle Wikipedia, [1] Claudia Fräss-Ehrfeld: Kärnten 1918-1920)